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Bewährungshilfe

Das Dienstleistungsangebot

Der Dienstleistungsbereich "Bewährungshilfe" umfasst zum einen die angeordnete Bewährungshilfe auf Anordnung einer Behörde und zum andern die freiwillige soziale Unterstützung. Dabei wird nach dem Konzept der durchgehenden Betreuung eine kontinuierliche Unterstützung der Klientel angestrebt.

Mit der Bewährungshilfe begleitet die ABaS angeschuldigte und verurteilte Menschen während der Untersuchungshaft, des Straf- oder Massnahmenvollzugs, nach einer bedingten Entlassung oder während einer bedingten Strafe.

Mit den Methoden der Sozialarbeit bietet sie persönliche Beratung und Sachhilfe in den Bereichen Wohnen, Arbeit/Ausbildung/Freizeit, Finanzen, Beziehungen, Gesundheitsvorsorge/Therapie. Sie arbeitet deliktbezogen und erstellt im Auftrag von Behörden Sozialberichte, die diesen zur Entscheidfindung dienen. Sie überwacht die Einhaltung behördlich verfügter Weisungen.

Der Fachbereich Bewährungshilfe der ABaS stellt für den Kanton Bern gemäss Schweizerischem Strafgesetzbuch für die Dauer des Strafverfahrens und des Strafvollzugs eine soziale Betreuung sicher, die freiwillig in Anspruch genommen werden kann (Art. 93). Diese setzt bereits in den Untersuchungsgefängnissen ein, in denen die Bewährungshilfe Sprechstunden für Inhaftierte anbietet.

Für die soziale Unterstützung der Klientinnen und Klienten setzt die ABaS rund 200 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein, die sie sorgfältig auswählt, ausbildet und begleitet.
Die Bewährungshilfe arbeitet mit Dritten zusammen, um benötigte, aber fehlende Unterstützungsangebote bereitstellen zu können. In Zusammenarbeit mir der Felber-Stiftung für soziale Integration liegt der Schwerpunkt hierbei auf betreuten Wohnungen und geschützten Arbeitplätzen.

Für die unbürokratische finanzielle Unterstützung der Klientel in Notfällen pflegt die Bewährungshilfe einen Fonds, der von Spenden vor allem der Landeskirchen unterstützt wird.

Durchgehende Betreuung


Die Bewährungshilfe arbeitet nach dem Konzept der durchgehenden Betreuung, das im Leitbild der Schweizerischen Konferenz der Leiterinnen und Leiter der Bewährungshilfen verankert ist.

Das Konzept beinhaltet eine kontinuierliche Begleitung von Klientinnen und Klienten in allen Phasen des Strafverfahrens und des Strafvollzuges und zwar durch die selbe Bewährungshelferin bzw. den selben Bewährungshelfer oder mindestens durch den selben Bewährungshilfe-Dienst. Ebenso soll die Entlassung aus dem Straf- oder Massnahmenvollzug von den Vollzugsinstitutionen rechtzeitig und in Zusammenarbeit mit den Bewährungshilfe-Diensten vorbereitet werden.

Personen können eine soziale Betreuung freiwillig und frühzeitig in Anspruch nehmen, auch wenn (noch) keine Bewährungshilfe verfügt wurde.

Die Fall führenden Bewährungshelferinnen oder Bewährungshelfer setzen bei Bedarf freie Mitarbeitende für die ergänzende soziale Unterstützung der Klientel ein.

Geschichte der Bewährungshilfe 

Seit dem 19. Jahrhundert wird die Gefangenenfürsorge zunächst meist von Ehrenamtlichen aus kirchlichen Kreisen angeboten. Mehrere Male wird versucht, die Gefangenenfürsorge im Kanton Bern in Vereinsstrukturen zu etablieren.

Im Kanton Bern wird 1911 die Schutzaufsicht per Dekret zur staatlichen Aufgabe erklärt und ein kantonales Schutzaufsichtsamt eingerichtet (im Kanton St.Gallen als erstem Kanton bereits 1839). Unter dem Einfluss der Sozialarbeit werden schon damals die Ziele "Kontrolle/Aufsicht" und "individuelle Förderung" kontrovers diskutiert.

In den 70-er Jahren etabliert sich, vom Kanton Bern massgebend getragen, in der Fachwelt das Konzept der "durchgehenden Betreuung": Straffällige sollen während der Dauer des Strafverfahrens und des Strafvollzugs von der selben Fachstelle begleitet und unterstützt werden. Dabei steht die Förderung der Klienten und Klientinnen gemäss ihren Bedürfnissen, Stärken und Schwächen im Zentrum mit den Zielen der Integration und der Förderung eines straffreien Lebens.

1986 wird das Ressort "Freie Mitarbeit" gegründet. Damit erhalten die freien Mitarbeitenden zunehmend eine professionelle Einführung und Weiterbildung für dieses oft schwierige Wirkungsgebiet. Das Modell der Freien Mitarbeit des Kantons Bern als Ergänzung zur professionellen Bewährungshilfe findet schweizweit und über die Landesgrenzen hinaus Beachtung.

Mit der "Verordnung über den Vollzug freiheitsentziehender Sanktionen an Erwachsenen und das Gefängnis- und Anstaltswesen im Kanton Bern" (Strafvollzugsverordnung) vom 28. Mai 1986 wird für die Schutzaufsicht des Kantons Bern das Konzept der durchgehenden Betreuung festgelegt. Gleichzeitig werden Einsatz und Weiterbildung von freien Mitarbeitenden als gesetzlicher Auftrag aufgenommen.

1993 wird das Schutzaufsichtsamt im Rahmen einer Reorganisation als "Bewährungshilfe des Kantons Bern" das neue Amt für Freiheitsentzug und Betreuung integriert und bildet ab 2003 zusammen mit den neuen Vollzugsformen Gemeinnützige Arbeit und Electronic Monitoring die "Abteilung Bewährungshilfe und alternativer Strafvollzug - ABaS".

In den 90er Jahren werden in der Schweiz wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem angelsächsischen Raum ("What works?") zunehmend aufgegriffen, die empirisch die Wirksamkeit unterschiedlicher Interventionsmethoden untersuchen. Unter dem Begriff "risikoorientierte Bewährungshilfe" wird heute vermehrt darauf abgezielt, die Interventionen der Bewährungshilfe auf eine standardisierte Fallanalyse abzustellen, um damit kriminogenen Faktoren gezielter zu begegnen.

Mit der Revision des schweizerischen Strafgesetzbuches per 1. Januar 2007 wird diese Ausrichtung aufgenommen und als Auftrag der Bewährungshilfe festgelegt:
"Mit der Bewährungshilfe sollen die betreuten Personen vor Rückfälligkeit bewahrt und sozial integriert werden." (Art. 93)


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