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Häufige Fragen (FAQ)

1. Was kann ich als Opfer häuslicher Gewalt tun?

Überwinden Sie Ihre Scham oder Angst. Es gibt keinen Grund, der Gewalt rechtfertigt. Zögern Sie nicht länger und holen Sie Hilfe:

2. Was kann ich als gewaltausübende Person tun?

Sie wollen den Menschen, den Sie am meisten lieben, nicht schlagen. Dennoch reagieren Sie immer wieder mit Gewalt. Sie wollen eigentlich keine Gewalt anwenden, aber es passiert. Was Sie tun, ist strafbar, setzen Sie dem ein Ende. Es ist keine Schande, ein Problem zu haben. Holen Sie Hilfe, bevor es zu spät ist!

Machen Sie sich Gedanken zu Situationen, in denen Sie gewalttätig reagieren:

  • Teilen Sie Ihre Gefühle mit, auch nahestehenden Personen.
  • Schauen Sie, wie andere Menschen mit Drucksituationen und Wut umgehen.
  • Überlegen Sie sich vorher, was Sie nächstes Mal tun wollen, wenn sich Aggressionen oder Ohnmacht bemerkbar machen.
  • Es ist hilfreich, wenn Sie sich bei Konflikten zurückziehen, sofern Sie nicht stressfrei darüber reden können. Verlassen Sie das Haus, wenn «es» wieder kommt. Machen Sie einen Spaziergang oder sprechen Sie mit einem Freund.

3. Was mache ich als Nachbarin oder Nachbar, wenn ich des Öftern ein «Gschtürm» aus der Nachbarwohnung wahrnehme?

Es ist nicht einfach, sich in private Angelegenheiten anderer einzumischen. Ausserdem kann es gefährlich sein, wenn Gewalt im Spiel ist. Es ist wichtig, dass Sie bereits bei einem ersten Verdacht reagieren. Je länger die gewalttätige Beziehung dauert, desto grösser ist der gesundheitliche Schaden der gewaltbetroffenen Person und der Kinder. Ausserdem steigt die Gefahr, dass es zu einem schwerwiegenden Verbrechen kommt.

  • Rufen Sie bei akuten Notsituationen die Polizei an: Nr. 117. Selbst einmischen ist gefährlich.
  • Sprechen Sie die gewaltbetroffene Person an, wenn Sie sie alleine antreffen. Zeigen Sie Verständnis und Mitgefühl. Nehmen Sie ihre Aussagen ernst.
  • Informieren Sie die betroffene Person, dass in der Schweiz mindestens jede fünfte Frau und auch Männer von diesem Problem betroffen sind und es ein Gesetz gibt, welches alle Opfer schützt.
  • Bieten Sie persönliche Hilfe an und haben Sie Geduld, auch wenn Hilfsangebote vorerst abgelehnt werden.
  • Überlassen Sie der gewaltbetroffenen Person die Notfallkarte oder die Informationsbroschüre «Was tun bei Gewalt in Ehe und Partnerschaft», die bei der Berner Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt per E-Mail bestellt werden kann.
  • Sie sollten jedoch nicht das Gefühl entwickeln, dass Sie dieses Problem lösen können.
  • Sprechen Sie auch die gewaltausübende Person an. Stellen Sie ihr Verhalten in Frage, ohne zu verurteilen. Weisen Sie diese Person auf Hilfsangebote hin.

4. Was mache ich als Arbeitergeber oder Arbeitgeberin, wenn eine mitarbeitende Person von häuslicher Gewalt betroffen ist oder häusliche Gewalt ausübt?

Häusliche Gewalt verursacht auch betriebswirtschaftliche Schäden, insbesondere durch Absenzen, Unausgeglichenheit und mangelnde Konzentration. Helfen Sie Ihren Mitarbeitenden!

Gewaltbetroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen u.U. vorübergehend:

  • Verlegung des Arbeitsplatzes ins Backoffice
  • Zuteilung neuer Telefonnummern (falls Nachstellungen auch am Arbeitsplatz erfolgen)
  • Hausverbote für nachstellende Personen
  • Freistellung, damit Arzt-, Polizei- und Gerichtstermine wahrgenommen werden können
  • Unter Umständen ein kurzer Erholungsurlaub
  • Schalten Sie die betriebliche Sozialarbeit ein

Gewaltausübende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen auch Unterstützung:

5. Wo erhalte ich Hilfe in einer akuten Krisensituation (24 Stunden)?

  • Für Notfälle und Hilfe: Polizeinotruf Tel. 117
  • Für dringende medizinische Hilfe: Sanitätsnotruf / Ambulanz Tel. 144
  • Notfallärztin/Notfallarzt: Auskunft über Tel. 1818
  • Notfallaufnahme des nächstgelegenen Spitals
  • Dargebotene Hand: Tel. 143
  • Telefonhilfe für Kinder und Jugendliche: Tel. 147
  • Kriseninterventionszentren der Psychiatrischen Kliniken
  • Eventuell Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt

6. Wo kann ich mich beraten lassen und Hilfe holen?

Die Opferhilfeberatungsstellen informieren und beraten Opfer kostenlos über ihre Rechte und vermitteln je nach Bedarf medizinische, psychologische, soziale bzw. materielle Hilfe. Sie können eine Kostengutsprache von maximal vier Stunden für die Rechtsberatung bei einem Anwalt bzw. einer Anwältin geben.

Ist deliktsbedingt eine Unterkunft in einem Frauenhaus notwendig wird für 21 Tage der Aufenthalt durch die Opferhilfe finanziert.

Die Polizei übermittelt in der Regel die Personalien an die Opferhilfestelle, welche sich dann für die Vereinbarung eines Termins mit dem Opfer in Verbindung setzt. Unter gewissen Umständen kann das Opfer weitere Leistungen (z.B. Therapiefinanzierung, Übernahme deliktsbedingter Betreuungskosten) beanspruchen.

Muss die gewaltausübende Person dem Opfer für den entstandenen Schaden Ersatz leisten oder leidet es an einer starken psychischen Beeinträchtigung infolge der Gewalt, kann die Opferhilfe unter Umständen einen Teil der vom Täter nicht erhältlichen Genugtuung auszahlen.

GEF: Opferhilfe, worum geht es? Flyer 2010 (PDF, 218 KB, 6 Seiten)

7. Häusliche Gewalt ist strafbar!

Keine Form von Gewalt wird im Schweizerischen Rechtssystem toleriert. Ein grosser Teil der Delikte häuslicher Gewalt sind Offizialdelikte. Das bedeutet, sie werden von Amtes wegen verfolgt. Erhält die Polizei von einem Offizialdelikt Kenntnis, ist sie verpflichtet, an die Staatsanwaltschaft zu rapportieren.

Für einige Delikte ist ein Strafantrag des Opfers erforderlich, welcher spätestens drei Monate nach der Tat eingereicht werden muss.

So sind beispielsweise folgende Delikte Antragsdelikte:

  • Hausfriedensbruch gemäss Art. 186 StGB

  • Missbrauch einer Fernmeldeanlage gemäss Art. 179septies StGB

  • Unbefugtes Beschaffen von Personendaten gemäss Art. 179novies StGB

  • Beschimpfung gemäss Art. 177 StGB

  • Üble Nachrede gemäss Art. 173 StGB

  • Verleumdung gemäss Art. 174 StGB

  • Sexuelle Belästigung gemäss Art. 198 StGB)

  • Einmalige Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB)

Die Opferberatungsstellen beraten Opfer von häuslicher Gewalt zum konkreten (rechtlichen) Vorgehen nach häuslicher Gewalt – ohne dass eine Verpflichtung besteht, die Polizei zu informieren oder einen Strafantrag zu stellen.

8. Was ist bei Stalking?

Unter Stalking versteht man das beharrliche Nachstellen, Auflauern, Abwarten, Ausspionieren und Belästigen einer Person.

Stalking wird über verschiedene Straftatbestände erfasst – abhängig davon, welche Ausprägung das Stalking hat. Tangiert sein können die Straftatbestände Überwachung einer Fernmeldeanlage, Drohung, Nötigung, Beschimpfungen. Der Nachweis erfolgt durch die Strafverfolgungsbehörden. In jedem Fall sollte das Opfer von Stalking aktiv werden und sich Hilfe holen. Folgende Fachstellen bieten Beratungen speziell für Stalking an:

Opferhilfe Bern und Biel

Opferhilfe Vista

Fachstelle Beratung Stalking Stadt Bern

In akuten Situationen, in welchen sich das Opfer bedroht fühlt oder Angst hat, soll in jedem Fall die Polizei kontaktiert werden.

 

9. Was ist bei Verunglimpfungen im Internet und in Social Media?

Darunter werden Verleumdungen im Netz, aber auch Erstellung von Fake-Accounts verstanden, die eine Person z.B. als Sexpartner für Dritte anbietet. Diese Formen des Cyber-Stalkings sind für Betroffene folgenschwer. Sie müssen so gut wie möglich sofort unterbunden werden. Es gilt in diesen Fällen eine Opferhilfeberatungsstelle aufzusuchen.

10. Was geschieht, wenn die Polizei wegen häuslicher Gewalt gerufen wird?

Die Polizei wird zuerst die notwenigen Sicherungsmassnahmen vornehmen und die Personen getrennt befragen. In der Regel wird die Gewalt ausübende Person zur Befragung mit auf den Polizeiposten genommen, unter Umständen auch in Polizeigewahrsam gesetzt.

Vor Ort findet, sofern das Opfer nicht in ärztliche Behandlung muss, eine Erstbefragung statt. Es ist wichtig und notwendig, dass der ganze Gewaltvorfall und auch frühere Gewalttaten der Polizei erzählt werden. Die Polizei braucht eine genaue Beschreibung. Meist muss rasch eine zweite, ausführlichere Befragung durchgeführt werden.

Bei fremdsprachigen Personen wird eine Übersetzerin oder ein Übersetzer beigezogen.

Die Polizei wird, sofern die Gewalt ausgewiesen und aufgrund der Verhältnisse eine Wegweisung oder Fernhaltung notwendig ist, meist am nächsten Tag eine Fernhalteverfügung ausstellen und aushändigen (vgl. auch Polizeischutz).

11. Was passiert mit den Kindern? Wohin kommen sie, wenn sich die Eltern nicht um sie kümmern können?

Liegt ein Fall von häuslicher Gewalt vor und es sind Kinder tangiert (d.h. bspw. sie leben im Haushalt, die Gewalt spielt sich zwischen den Eltern oder anderen Familienmitgliedern ab) wird in jedem Fall die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) informiert. Die KESB ist zuständig für den Schutz und das Wohl der involvierten Kinder und bietet entsprechende Hilfe für die Familie. Falls nach einer Intervention wegen häuslicher Gewalt die Kinder zum Schutz untergebracht werden müssen und dies nicht innerhalb der Familie oder bei Freunden möglich ist, organisiert die KESB die Unterbringung.

Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden Kanton Bern (KESB)

Merkblatt für Behörden, Fachstellen und Fachpersonen, die Kinder in Notsituationen platzieren müssen, 19. Mai 2014 (PDF, 155 KB, 2 Seiten)

12. Muss das Opfer eine Strafanzeige machen?

Nein, wenn es Offizaldelikte sind.

Ja, sofern es Antragsdelikte sind, die von der Justiz nur dann verfolgt werden, wenn ein schriftlicher Antrag vorliegt (siehe Frage 7).

13. Kann ein Strafverfahren wieder eingestellt werden?

Das Opfer kann den Strafantrag zurückziehen oder ein Strafverfahren zur Einstellung bringen, indem es mitteilt, dass es keine Bestrafung des Täters (mehr) möchte. Bei Antragsdelikten ist dies immer möglich bei Offizialdelikten zum Teil: Bei  den in Art. 55a StGB genannten Delikten der einfachen Körperverletzung, der Drohung, der Nötigung und der wiederholten Tätlichkeiten wird nach Rückzug des Strafantrages bzw. bei Erklärung durch das Opfer, dass es das Strafverfahren nicht mehr möchte, das Strafverfahren für sechs Monate sistiert, d.h. auf Eis gelegt. Wenn das Opfer innert dieser sechs Monate nicht die Wiederaufnahme des Verfahrens beantragt, wird das Verfahren nach sechs Monaten definitiv eingestellt.

Die Staatsanwaltschaften klären in jedem Fall ab, ob der Rückzug des Strafantrages bzw. der Wille des Opfers, das Strafverfahren nicht fortzuführen, aus freien Stücken und ohne Druckausübung durch den Täter erfolgte. Die definitive Einstellung des Verfahrens (nach sechs Monaten) wird in der Regel von der Absolvierung einer Gewaltberatung durch den Täter bei der Berner Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt abhängig gemacht. Ob es in einem Strafverfahren zu einer Verurteilung kommt, liegt im Zuständigkeitsbereich der Staatsanwaltschaften oder – je nach Schwere des Deliktes – der Gerichte.

Berner Lernprogramm

Französischsprachiges Angebot Gewaltberatung

 

14. Wie und wann wird das Opfer über das Strafverfahren informiert?

Die Polizei händigt dem Opfer einige Merkblätter aus. Es empfiehlt sich, diese mit der Opferberatungsstelle anzusehen. Einerseits werden darin die Rechte der Opfer im Strafverfahren aufgelistet (siehe Frage 15) und die Frage gestellt, ob das Opfer als Privatklägerin am Verfahren teilnehmen will (siehe Frage 16).

15. Wie ist die Stellung des Opfers im Strafverfahren?

  • Opfer von Gewalttaten haben auf Wunsch Informationsrechte:
    • Mitteilungen über die Entlassung aus der Untersuchungshaft oder aus dem Strafvollzug, über die Anordnung von Ersatzmassnahmen (insbesondere über Rayon- und Kontaktverbote), über Flucht
    • Generelle Information über den Verfahrensstand
    • Akteneinsicht je nach Stand des Verfahrens
  • Opfer von Gewalttaten können verlangen, dass sie während des Verfahrens nicht mit der beschuldigten Person konfrontiert werden, auch nicht in den Gängen der Justizgebäude.
  • Sie können sich von einer Person ihres Vertrauens zu polizeilichen und richterlichen Einvernahmen begleiten lassen.
  • Sie können eine Anwältin bzw. einen Anwalt mit der Vertretung beauftragen, dessen Kosten unter gewissen Voraussetzungen auf Antrag durch den Staat übernommen werden (bei Mittellosigkeit, schweren Gewalttaten, Notwendigkeit der Vertretung).
  • Sie können die Beantwortung von intimen Fragen verweigern, d.h. Fragen zum Sexualleben, zum Familien- oder Freundeskreis, zu eigenen grundsätzlichen Wertehaltungen.
  • Opfer von Sexualdelikten können ausserdem verlangen, dass sie von einer Person des gleichen Geschlechts einvernommen werden und auch die Zusammensetzung des Gerichts mehrheitlich von Personen des gleichen Geschlechts besetzt wird.
  • Opfer dürfen ausserhalb des Gerichtsverfahrens nicht identifizierbar sein. Dies betrifft vor allem die Gerichtsberichterstattung.

16. Kann sich ein Opfer aktiv am Strafverfahren beteiligen und Anträge stellen?

Wenn das Opfer aktiv am Strafverfahren mitwirken will, um zum Beispiel selbst Beweisanträge stellen zu können oder den entstandenen Schaden geltend zu machen, muss es dafür eine Erklärung abgeben, dass es mitmachen, d.h. sich als sogenannte Privatklägerin am Strafverfahren beteiligen will. Diese Erklärung kann bis zum Abschluss der Strafuntersuchung abgegeben werden. Das entsprechende Formular wird von der Polizei ausgehändigt.

Das Mitwirkungsrecht der sogenannten Privatklägerin bezieht sich aber nicht auf das sogenannte Zwangsmassnahmenverfahren in welchem z.B. Untersuchungshaft und/oder Ersatzmassnahmen, d.h. Rayonverbote etc. angeordnet werden können.

17. Verliert ein verheiratetes Opfer bei Trennung wegen häuslicher Gewalt das Aufenthaltsrecht in der Schweiz?

Nein, wenn das Opfer ein eigenständiges Verbleiberecht in der Schweiz hat.

Die rechtliche Situation muss genauer abgeklärt werden, wenn das Aufenthaltsrecht des Opfers noch vom Bestand der Ehe oder Partnerschaft abhängig ist (i.d.R., wenn das Opfer weniger als fünf Jahre mit dem Ehepartner in der Schweiz gelebt hat).

Im Grundsatz gilt: Ist der gewaltausübende Partner Schweizer, Europäer oder niedergelassen, ist die Gewalt nachgewiesen und hat sie eine Intensität, die eine Weiterführung der ehelichen Gemeinschaft verunmöglicht, erhält das Opfer eine eigenständige Aufenthaltsbewilligung, welche meist mit einer Integrationsvereinbarung verbunden wird. Dies setzt voraus, dass das Opfer gegenüber der Polizei alles erzählt, was es an Gewalt erlebt hat, Verletzungen ärztlich dokumentiert sind oder ein fundierter Bericht des Frauenhauses oder der Opferberatungsstelle vorliegt.

Ist das abgeleitete Verbleiberecht von einem Nicht-EU-Bürger mit einer Jahresbewilligung abhängig, muss der Einzelfall genau abgeklärt werden.

Für weitere Informationen vgl. «Migration»


Weitere Informationen

Häusliche Gewalt: Konfrontation und Bewältigung - Im Aug./Sept. & Nov./Dez. 2019 in Bern

der Berner Interventionsstelle gegen Häusliche Gewalt

 


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