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Geschichte

Ansicht von Südosten 1671

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Kloster Erlach

Seit der Jahrtausendwende war die Zihlebene waldfrei und begehrtes Weideland. Die Zihl floss in langsamen Windungen durch die Ebene und bildete kurz vor der Mündung in den Bielersee eine Insel, die „Insula Sancti Joannis“, Insel des heiligen Johannes. Diese dicht mit Schilf bestandene Insel wählten die Herren von Fenis, die Vorfahren der Grafen von Neuenburg, als Standort für ihr Hauskloster. Cuno von Fenis, Bischof von Lausanne, gründete das Benediktinerkloster gegen Ende des 11. Jahrhunderts.

Die Stifterfamilie bedachte das Kloster mit reichen Schenkungen, die den Grund zu weiterer Prosperität legten. Die Abtei war lange die begütertste zwischen Seeland und Rhein: ihre Besitzungen, Zehnten und Rechte lagen nicht nur im Seeland, in der Grafschaft Neuenburg und im Bistum Basel, sondern auch im Solothurnischen, Aargauischen und Luzernischen. Die Abtei war auch geistig-kirchlich von grosser Bedeutung. Die Bischöfe von Lausanne unterstützten die Äbte des Erlacher Konventes in ihren Unternehmungen, und sogar Päpste bestätigten seit dem späten 12. Jahrhunderts immer wieder den Besitz des Klosters. Der Rang des Klosters zeigt sich in einer päpstlichen Bulle, die belegt, dass seit Egilulf, dem 2. Abt von St. Johannsen (1130-1160) das Recht zukam, pontifikale Würdezeichen zu führen. Dieses Recht wurde nur sehr bedeutenden Abteien verliehen wie etwa Canterbury, Cluny, Monte Cassino oder der Reichenau.

Als sich im 14. Jahrhundert die Auseinandersetzungen zwischen Bern und Neuenburger zuspitzen, wird das Kloster wiederholt in Mitleidenschaft gezogen. 1324 belagerte Bern zweimal Le Landeron, ein halbes Jahrhundert später dringen englische und französische Söldner ins Land ein und verwüsteten Gottstatt, Fontaine-André und Ins, wobei sicherlich auch Erlach und St. Johannsen beschädigt wurden.

1388 eroberte Bern nach einer Belagerung die Stadt Nidau. Die Stadt betrachtete sich als Nachfolgerin der Herren von Nidau und beharrte darauf, ihren Anteil an der Schirmherrschaft über das Kloster auszuüben. 1413 anerkennt die Abtei schliesslich Bern als Schirmherrin.

Trotz ungünstiger Zukunftsaussichten, einer einengenden Schirmherrschaft, rückläufigen Spenden und zahlreichen Pestopfern wagte sich die Abtei im späten 14. Jahrhundert an einen völligen Neubau von Kirche und Konventsbauten. Die Erneuerung wurde notwendig, weil sich im moorigen Grund die Bauten um gut einen Meter gesenkt hatten und die Überschwemmungen immer bedrohlicher wurden. Nach und nach wurden die alten Mauern abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Die Kirche erhielt eine stattliche Grösse, obwohl statt 30 bis 60 Mönche nunmehr 8 bis 12 im Kloster lebten. Nur der Kreuzgang wurde leicht verkleinert, Wehrbauten sicherten das Kloster.

Landvogteisitz St. Johannsen

1512 besetzten die Eidgenossen die Grafschaft Neuenburg und wandelten sie in eine gemeine Vogtei. Die bedrängte Gräfin Johanna verkaufte das Kloster St. Johannsen um ein Taschengeld an Bern in der Hoffnung, die Stadt werde sich für sie einsetzen. 1529 mussten die Eidgenossen unter dem Druck des französischen Königs Franz I. die Grafschaft zwar wieder zurückerstatten, die Abtei war aber endgültig bernischer Besitz.

1528 setzten sich die Berner über den Widerstand der katholischen Orte hinweg und reformierte das Kloster. Die Bilder wurden verbrannt, der Kirchenschatz abtransportiert und Abt und Mönchen wurde verboten, die Messe zu feiern. Unter dem letzten Abt, Rudolf de Benedictis (1504-1529) erlebte die Abtei noch einmal eine kulturelle Blütezeit. So bestand im Kloster nebst beträchtlichen Kunstschätzen auch eine Bibliothek von über 100 Autoren.

Bald nach der Reformation prüfte der Berner Rat, ob St. Johannsen zu einer Festung ausgebaut werden sollte, um die Ländereien und den See zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche schon abgedeckt und der Chor diente als Kornspeicher. Bald darauf wurden das Kirchenschiff, der östliche Klostertrakt und die nördlichen und südlichen Kreuzgangflügel  abgebrochen.

Die spätere Landvogtei St. Johannsen umfasste die Güter der Abtei und das Dorf Gals, ein Gebiet von ca. 8.5 Quadratkilometern. Bis zum Franzoseneinfall von 1798 lösten sich 56 Vögte ab. St. Johannsen gehörte zu den elf höchstbesoldeten Landvogteisitzen Berns, bis nach 1798 St. Johannsen zum Amt Erlach geschlagen und ein Verwalter eingesetzt wurde.

Fabriken St. Johannsen

1834 wurde das Anwesen für 30.000 Franken an den Neuenburger Tuchhändler Louis Roy verkauft, der in St. Johannsen industrielle Betriebe einrichtete. Nebst einer Ziegelei, einer Essigfabrik, einer Fabrik zur Herstellung von Druckerschwärze folgte ein weiterer Betrieb, der den Torf des benachbarten Sumpfes zu Brennstoff verarbeitete.

Anstalten St. Johannsen

1883 kaufte der Staat Bern die Liegenschaft für 55.000 Franken zurück, um eine Korrektionsanstalt für Männer einzurichten. Die sanierungsbedürftige Kirche wurde total umgebaut und auch äusserlich neu gestaltet. So entstanden eine Kapelle, ein Schulsaal, Speise- und Arbeitssäle. Durch unvorsichtige Fenstereinbrüche unter dem Vierungsturm stürzte dieser im selben Jahr ein und zerstörte beim Fall ein Querhausgewölbe. Die Entrüstung über den Verlust dieses weithin sichtbaren Wahrzeichens war nicht nur bei den Sachverständigen, sondern auch bei den Bauern in der Gegend gross.

1895 – 1910 wurde die Korrektionsanstalt mit einer vorübergehenden Abteilung für weibliche Insassen ergänzt. 1911 erfuhr St. Johannsen einen weiteren Umbau und es entstand die kantonale Arbeitsanstalt für Trinker, Arbeitsscheue und Liederliche. Trotz der altertümlichen Bezeichnung wurde damit der Grundstein für eine moderne Anstalt gelegt. 1956 wurde St. Johannsen eine konkordatliche Arbeitsanstalt.

1970 und 1971 wurde die marode Kirche von St. Johannsen völlig abgetragen, um sie über einem neuen Pfahlrost steingerecht wieder aufzubauen. Einige Jahre später, 1978 – 1982 wurde das Anwesen gesamtsaniert, der Vollzug neu konzeptioniert und es entstand ein Massnahmenzentrum für strafrechtliche und zivilrechtliche Massnahmen. 1982 entstanden vier voneinander getrennte Anstaltsabteilungen, 1989 wurde die Doppelabteilung C (Suchtabteilung) in zwei unabhängige Abteilungen umgebaut für Massnahmen nach Art. 44.1 und 44.6 aStGB. 2001 entstand aus einer dieser Abteilungen die geschlossene Beobachtungs- und Triagestation BeoT.

Situation 1884

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